Herkunft und Heimat – WINDSPIEL auf Spurensuche (1)

Auch in diesem Jahr 2014 wollen wir uns inhaltlich fokussieren und mit einer Thematik befassen, die im Leben des Einzelnen eine ebenso bedeutsame Rolle spielt, wie in der Entwicklung von Gruppen und der Entstehungsgeschichte von Organisationen, Vereinen und Einrichtungen. Als wir kürzlich zur Wiederaufnahme unseresTrainings im Kulturstall des Christopherus-Hofes zusammenkamen, zeigte uns eine Zeittafel besondere Ereignisse in der Entwicklung des Hofes seit der Gründung einer Tagesbildungsstätte im Jahre 1964 an.

spacewalkWir fühlten uns in unserem Vorhaben bestätigt, die Arbeit aus dem vergangenen Jahr an „Martha und der Pyrenäensteinbock“ zu vertiefen, uns mit Fragen der Herkunft zu beschäftigen und uns ein Bild davon zu machen, was unter dem Begriff der Heimat zu verstehen ist. Immerhin leben 6 WINDSPIELER in den Wohngemeinschaften der Einrichtung und betrachten den Christopherus-Hof als ihr Zuhause, weitere Bewohnerinnen und Bewohner gehörten der Performancegruppe in der Vergangenheit an, als der Name WINDSPIEL noch gar nicht geboren war und auch Mitarbeiter der Einrichtung gehören zum engen Kreis der Gruppe.

Ein erster Schritt zur Einführung in das Thema soll daher der Blick auf die Entstehungsgeschichte der Gruppe sein, aus der WINDSPIEL hervorging: Die ersten Workshops fanden im alten Kulturstall statt, der zu Zeiten des landwirtschaftlichen Betriebes des Hofes ein Kuhstall gewesen sein mag. Der Stall war mit einfachen Mitteln zu einem Veranstaltungsort umgebaut worden. Der Fußboden hatte Betonplatten in einem frischen steingrau erhalten; die waren im Winter nicht nur hart, sondern auch sehr kalt und man konnte eigentlich zu keiner Jahreszeit darauf barfuß arbeiten. Das ging nur auf den grau lackierten Bühnenelementen, aber wir arrangierten uns mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung standen und waren natürlich froh, dass unsere Arbeit hier ihren Ursprung nehmen durfte und wir Menschen fanden, die unsere Idee unterstützten und uns förderten.

Innenhof KulturstallEs entstanden die ersten Arbeiten, wild, ungestüm, chaotisch und immer getragen von der Liebe zu den Menschen, die geduldig, vertrauensvoll und mit großem Engagement sich auf alle möglichen und unmöglichen Ideen einließen und uns halfen, einen Anfang zu finden. Ich erinnere mich gerne an die irritierten Blicke der 4 Zuschauer unserer ersten Werkschau, einem Bühnenspektakel mit Balkan Beat Box und zeitgenössischer Musik, laut, schrill und von einer Ordnung, der nur die Spielfreude unserer Darstellerinnen und Darsteller Ausdruck zu geben vermochte.

Innerhalb weniger Monate entstand eine Gruppe von TeilnehmerInnen, die mit dem notwendigen Ernst für konzentrierte Arbeit und großer Lust am ausgelassenen Spiel unsere Anregungen aufgriffen und den Mut entwickelten, selbst zu den Entdeckern ihrer Themen und den Darstellern ihrer eigenen Figuren zu werden.

BandübungDie Arbeit auf dem Christopherus-Hof war sicherlich prägend für die Gründung der TanzRäume Unterwegs, aber noch viel bedeutsamer für das Zusammenwachsen einer festen Gruppe, die in ihrem Freizeitbereich an ein breites Spektrum von Lehr-Methoden und Inhalten aus dem Bereich des Tanzes und der Bewegung herangeführt wurde. Heimatstätte und Ursprung des Ensemble WINDSPIEL ist die Wohn- und Lebensgemeinschaft in Witten und bis heute Proben- und Aufführungsort für unsere Performances geblieben.

Unter dem Arbeitstitel Heimatspuren werden wir unsere Arbeitsprozesse im Laufe des Projektes dokumentieren, lassen TeilnehmerInnen zu Wort kommen und nähern uns aus verschiedenen Perspektiven dem, was wir unter Heimat und Herkunft zu begreifen vermögen. Die Arbeit des Ensemble wird nun erstmalig durch das Kulturforum Witten sowie die Stadtwerke Witten gefördert. Wir danken den Sponsoren für die Unterstützung unserer Arbeit.