Vorsichtshalber Vorsichtig

Ein Motto gegen die Entschlussfreudigkeit des modernen Geistes, der jederzeit bereit ist, auch folgenschwere Entscheidungen zu treffen? Ein ironischer Kommentar auf das übersteigerte Sicherheitsbedürfnis des vom Zweifel an sich selbst und der Welt geplagten, aber vielleicht ebenso modernen Geistes?

ParkwegEs ist heute der letzte Tag der Ausstellung von Installationen des Peter Pabst, der für Pina Bausch einige dieser wunderbaren Bühnenbilder entworfen hat und anlässlich der Jubiläumsspielzeit des Tanztheaters mit seinem Werk im Skulpturenpark den Blick auf die Arbeit der Choreografin und des Ensembles lenkt. In der Abendsonne betreten wir den Park, der sich ganz bescheiden an einen Hang des Wuppertals schmiegt und Kulisse für viele Skulpturen darstellt, denen wir lieber beim nächsten Besuch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken wollen.

AusstellungspavillonZunächst suchen wir den Pavillon auf, in dem große mit schwarzer Schrift bedruckte weiße Stoffe in Paaren unter der Decke aufgehängt sind, bis zum Boden reichen und Gänge bilden, durch die Besucher gehen, Begriffe und Sätze lesen und auf sich wirken lassen. Am besten überall zu Hause sein, Ertrunkene Vergangenheit, Zwei Kulturen, Über ausgestorbene Tiere erzählen, Candomblé, Brasilianisch sexy, Welche Körperteile bewegt ihr gern, Staunen über eine Glühbirne. Es handelt sich um Fragen, Aphorismen, Beschreibungen und einzelne Worte, mit denen Pina Bausch ihre Tänzer inspirierte. Die Besucher haben eine Ahnung von der Arbeitsweise der Choreografin. Später kommt Peter Pabst selbst in den Pavillion und plaudert mit den Gästen.

AusstellungspavillonDann gehen wir zum Rosenberg aus dem Stück „Der Fensterputzer“. Ein Gestell aus Holz und Metall gibt dem Berg seine Stabilität. Die Rosenblätter sind an den übergeworfenen Stoffen festgenäht, denn in dem Stück wird der Berg betanzt und dient einem Skifahrer als Abfahrtpiste. Im unteren Teil sind die Rosenblätter lose verteilt. Als wir den Pavillon betreten, fällt die Abendsonne gerade noch mit einigen goldenen Strahlen durch die gläsernen Wände auf den Berg und verschwindet langsam, während wir den Berg betrachten und uns an den Fensterputzer erinnern.

Villa WaldfriedenDie Attraktion ist sicherlich die Videoinstallation in den Fenstern der Villa Waldfrieden. Das Gebäude wurde ebenso wie der Park vor einigen Jahren von dem bildenden Künstler Tony Cragg erworben. Aus allen Fenstern des Hauses spielen heute den Betrachtern Bühnenstücke des Tanztheaters entgegen. Die Besucher stehen und sitzen im Park vor dem Gebäude und blicken auf die Fenster, durch die mal Teile eines kompletten Bühnenbildes projiziert werden und mal Ausschnitte verschiedener Produktionen zur gleichen Zeit zu sehen sind. Dazu spielt Musik aus Pina's Arbeiten und Wolfgang Schmidtke auf dem Solo-Saxofon.