Scobels Kolumne

Heimat - ein großes Wort.Doch seine ganze Bedeutung ist schwer zu fassen. Das Wort Heimat entfaltet eine große Wirkung - bis heute. Und es ist ein extrem strapaziertes und oft missbrauchtes Wort, nicht nur im Nationalsozialismus vergangener Tage. Politische Systeme jeder Richtung, Weltanschauungen, ganze Kulturen, aber auch Morallehren oder sektiererische Bewegungen haben sich diesen Begriff zu Nutze gemacht.

Die Kraft, die in dem wenig klar umrissenen Begriff steckt, kann durchaus gefährlich sein. Sie zeigt sich immer dann, wenn mit dem Begriff Heimat nicht nur politische Probleme überspielt werden, sondern auch bestimmte Menschen von der Gemeinschaft ausgeschlossen, oder sogar ausgeschaltet werden sollen. Es scheint, als wirke allein das Wort direkt auf Gefühle, Sehnsüchte und Haltungen. Rückkehr in die Kindheit oder Ort der Zuflucht?

Seltsamerweise ist aber höchst unklar, was der Begriff genau meint. Lässt sich die Bedeutung von Heimat überhaupt eindeutig definieren? Ist Heimat eine Rückkehr in die Kindheit, eine Art gelungenes Finden der verlorenen Zeit? Ein Ort der Zuflucht (und wenn ja: welcher Art)? Oder ein Begriff, den man im 21. Jahrhundert hinter sich lassen sollte, um damit auch ein für alle mal die Probleme hinter sich zu lassen, die mit der Geschichte des Begriffes verbunden sind?

Gert Scobel hat nicht nur drei Gäste eingeladen, die in Bezug auf das Thema Heimat sehr unterschiedliche Ausgangsbedingungen und Meinungen haben, sondern wollte auch formal ein Experiment wagen. Die Unterhaltung über Heimat fand deshalb nicht wie sonst im Studio statt, sondern in einer alten Traditions-Apfelweinschänke in Frankfurt am Main. Wie würde sich diese alltägliche Umgebung auf das Gespräch auswirken, das gleichsam beiläufig von den Kameras aufgezeichnet wurde?

Der link zur Sendung in der 3sat-Mediathek: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=22751